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SUMMARY:Bohren & der Club of Gore  ByteFM und Musikblog präsentiert: Bohre
 n & der Club of Gore
LOCATION:Volksbad Flensburg
DESCRIPTION:BOHREN & DER CLUB OF GORE\n\n \nBohren & der Club of GoreRouti
 nen gegen die Routine(n). Wenn Bohren (an)ruft\, dann ist es wieder passie
 rt. Auch wenn zwischenzeitlich zwei Fußball-Weltmeisterschaften und zwei 
 Olympiaden Revue passiert sind. Will sagen: wenn Bohren ruft\, dann ist es
  Zeit\, ein neues Album in etwas Flankierendes\, etwas Information einzuwi
 ckeln. Und weil Bohren eben Bohren sind\, fällt schon einmal circa die H
 älfte des für derlei Schreibanlässe entwickelten rhetorischen Materials
  („sich neu erfinden“\, „damit war nicht zu rechnen“\, „unerhör
 ter Karriere-Move“) schlicht unter den Tisch. Nein\, es geht hier nicht 
 um: wenn gar nichts mehr geht\, hilft nur Wiederholung wiederholen. Die Qu
 adratur des Kreises liest sich im Falle von Bohren nämlich so: was tun\, 
 wenn man als Band einen wirklich unverwechselbaren und unverkennbaren sign
 ature sound entwickelt hat\, das einmal erreichte Niveau halten\, sich abe
 r nicht wiederholen will? Die Lösung heißt Haltung und meint Arbeit. Arb
 eit im Studio. Beharren. Verwerfen. Arbeiten an Feinheiten. Präzision. So
 rgfältiges Arrangieren. Experimentelle Orchestrierung bei begrenztem Inst
 rumentarium. Vielleicht mal Gesang? Vielleicht eine von Mike Patton gesung
 ene Version eines Warlock-Songs? Ein radikaler Stilwechsel ist mit Bohren 
 – soll man sagen: zum Glück? - nicht zu machen. Was schließlich veröf
 fentlicht wird\, muss dem Trio im hochsensiblen Bereich zwingend erscheine
 n. Mit „Bohren goes Country“ oder „Bohren plays 20 Jazz-Funk-Greats
 “ ist folglich nicht zu rechnen.\n\n Gucken wir mal! Etwas mehr als fün
 f Jahre nach „Piano Nights“ und etwas mehr als 11 Jahre nach „Dolore
 s“ veröffentlichen Bohren & Der Club of Gore ihr nunmehr achtes Studioa
 lbum. Es trägt den ambivalent-verführerischen Titel „Patchouli Blue“
  und enthält für die Band ungewöhnlich viele\, nämlich 11 Tracks. Die 
 Spieldauer dieser 11 Tracks hält sich dagegen im üblichen Rahmen einer g
 uten Stunde\, was natürlich auch impliziert\, dass der spezifische Bohren
 -Vibe einer Auskostung von erhabener Langsamkeit innerhalb kürzerer Zeit 
 etabliert werden muss\, um seine ganze Schönheit zu entfalten. Alles wie 
 gehabt also? Eher die Fortschreibung des über Jahrzehnte erarbeitete Leve
 l an Verbindlichkeit\, das Nuancen produktiv zu machen versteht. In der Sp
 rachwissenschaft findet sich der Begriff der Minimalpaare\, in der ein Buc
 hstabe den Unterschied macht. Der Opener des Albums „Total falsch“ ist
  ein geradezu idealer Auftakt und gewissermaßen das genaue Gegenteil dess
 en\, was der Titel verspricht. Klassisch Bohren. Je nach Temperament des Z
 uhörers braucht es vielleicht zweimal vier Töne oder vielleicht doch noc
 h zweieinhalb Minuten\, um zu signalisieren: Du befindest dich auf Bohren-
 Terrain\, rechne ab jetzt mit allem! Aber schon der Einsatz der Orgel ist 
 schlicht zum in die Knie gehen\, und das Saxophon lenkt dann die behutsam 
 entwickelte Spannung in eine Landschaft\, in der man eine Begegnung mit Ja
 n Garbarek nicht mehr ausschließen mag.\n\n Es folgen immer weitere Über
 raschungen. Nicht zu rechnen ist zum Beispiel mit einem echten Hit wie „
 Deine Kusine“\, der geradezu strahlt vor Lichtheit. Oder\, gleich darauf
 \, „Vergessen und vorbei“\, der mit Rhythmusmaschine und analogem Synt
 hesizer wie der Soundtrack zu dem John Carpenter-Film klingt\, den der zu 
 drehen vergessen hat. Oder die ironisch-unironischen Jazz-Referenzen von 
 „Sollen es doch alle wissen“. Oder diese präzise hindrapierte Melanch
 olie von „Tief gesunken“. Fragt man die Band\, dann eignet „Patchoul
 i Blue“ das Mischungsverhältnis: Vier Teile „Bohren klassisch“\, dr
 ei Teile „Seltsam“ und vier Teile „Jazz-Schleicher“. Zwingend übr
 igens auch die Sequenz der Stücke von „Total falsch“ hin zu „Meine 
 Welt ist schön“\, das man sich vielleicht am besten etwas trotzig mit B
 etonung auf „meine“ und/oder „schön“ artikuliert vorstellt. Als B
 onus entwerfen die Titel in der Reihenfolge des sequencing auch noch den S
 chatten einer Geschichte\, die man sich je nach Temperament selbst zusamme
 nreimen kann. Meine zum Beispiel wäre etwas schmierig und etwas Fassbinde
 r. Toll auch\, sich von den Titeln her das Album als eine Schlagerplatte v
 orzustellen. Die eine Hälfte „heile Welt“\, die andere Hälfte „Abg
 rund“. Das eine nicht zu haben ohne das andere. Und dazwischen dann der 
 Titeltrack „Patchouli Blue“. Noch nie hatte Bohren einen Titeltrack! U
 nd dieser weist zurück in die Indienläden der 1970er Jahre mit ihren sch
 weren Düften. Wozu dann die ganzen Moog-Synthies ganz gut passen\, die ma
 l im Hintergrund\, mal im Vordergrund wesen. „Vergessen & vorbei“? Pus
 tekuchen\n\n !Man sieht: die 11 Klangskulpturen\, die Bohren in harter und
  disziplinierter Arbeit gewissenhaft von jeder überflüssigen Schlacke be
 freit haben\, bieten reichlich Stoff für akustische Entdeckungsfahrten. J
 etzt gilt es indes\, die Stücke für anstehende Live-Performances zu prob
 en\, damit sie auch im Club diese Dichte\, Intensität und das Zwingende h
 aben\, das ihnen im Studio abgerungen wurde. Denn eines ist mal klar\, „
 Horror-Jazz“ hin oder her\, Bohren ist die muckende Jazz-Attitüde des 
 „heute so\, morgen so“ wesensfremd. Hier gilt: SO MUSS DAS SEIN. So me
 lancholisch Bohren auch klingen\, die Haltung dahinter darf man durchaus a
 ls kämpferisch bezeichnen.\n\n  \n\n Ulrich Kriest\, November 2019\n\nBo
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